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Landschaftstreffen Oberschwaben-Allgäu

am 04. + 05. Februar 2012

Aulendorf feiert 333 Jahre Narrenfreiheit
 

Textfeld: Landschaftstreffen Oberschwaben-Allgäu  04. und 05. Februar 2012 in Aulendorf    Samstag 04. Februar   15.00 Uhr Gästeempfang im Marmorsaal  17.00 Uhr Brauchtumsvorführungen Schlossplatz  anschl. Narrennacht mit Guggenkonzert    Sonntag, 05. Februar  09.00 Uhr Narrenmesse in St. Martin  10.30 Uhr Zunftmeisterempfang  13.30 Uhr Großer Narrensprung mit 30 Zünften  anschl. Ausklang im Narrendorf  Aulendorf, eine kleine Kurstadt mit zwei Kliniken und einem Thermalbad, eine Narrenhochburg mit nicht ganz 10.000 Einwohnern und einer Narrenzunft mit rund 2.100 Mitgliedern und über 2.000 zugelassenen Originalmasken, feiert ein närrisches Jubiläum!

Aulendorf, mitten in Oberschwaben gelegen, in den Glanzzeiten der Bahn bekannt als Eisenbahnknotenpunkt, ist heute mit einem Navigationsgerät leicht zu finden. Wer ganz sicher gehen will, die Koordinaten nach Gauß-Krüger für die Kirchturmspitze sind 47° 57' 18,5815“ nördl. Breite und 9° 38' 24,2393“ östl. Länge.

Aulendorf liegt auf einer Seitenmoräne aus der Würmeiszeit und die breit angelegte Bebauung zieht sich von der Schussenniederung in 541m über N.N. bis zum Hohkreuz mit 667 m über N.N. Dominanter Blickpunkt ist das gewaltige Schloss mit angebauter St. Martinskirche und die imposante Glaskuppel der Schwabentherme.

Schloss und Kirche waren schon immer Mittelpunkt unseres Gemeinwesens, zu dem seit Urzeiten auch die Fasnet gehört. Daran hat auch die Nutzungsänderung des Schlosses nichts geändert. Früher regierte dort der Adel (von Mitte 14. bis zum 19. Jahrhundert das Geschlecht derer von Königsegg-Aulendorf), heute ist Schloss Aulendorf Amtssitz des Bürgermeisters, beherbergt die Stadt- und Gästeinformation, die Spielzeugabteilung des Landesmuseums Stuttgart und die Volkshochschule.

Wann es mit der Fasnet in Aulendorf begonnen hat? Graf Hugo von Königsegg-Rothenfels-Aulendorf stiftete 1635 in seiner Herrschaft Staufen (heute Oberstaufen) auf den Fasnetsdienstag einen Umzug mit Fahne und der Heimatforscher Bernd Wucherer ist der Ansicht, dass Graf Hugo sich bei der Gestaltung des „Fasnetsziestages“ auf Aulendorfer Traditionen besann.

Von „Höchster Stelle“ nicht nur geduldet, sondern per Dekret erlaubt, ist die Fasnet in Aulendorf, seit Antonius Eusebius Graf zu Königsegg und Rothenfels, Herr zu Aulendorf und Staufen, Kaiserl. Kämmerer und Landvogt in Schwaben (*1639 +1692) diese Reichsunmittelbare Grafschaft regierte. Er hatte 1679 die glorreiche Idee, von der wir heute noch profitieren, seinen Untergebenen ein Fasnetsspiel zu erlauben. Wie diese Fasnetsspiele ausgesehen haben – das ist nicht überliefert. Vermutlich waren es Stegreifspiele, die das Ortsgeschehen zum Inhalt hatten. Ab Ende des 19.Jhd. bis in die Dreissiger des 20.Jhd. waren  es die Damen und Herren des Liederkranzes, die Carneval feierten mit groß angelegten Theaterstücken und Singspielen. Dann ging die Entwicklung wieder Richtung Fasnet, die jedoch vom Krieg unterbrochen wurde. Am 11.11.1949 erfolgte dann die Gründung des Vereins „Narrenzunft Aulendorf e.V.“ und 1952 wurden wir in die VSAN aufgenommen!

Der „ein Tag vor Mitwochen an Fasnachten“ genügt den Narren schon lange nicht mehr.  Landauf, landab starten die Narren in die fünfte Jahreszeit an Dreikönig mit „G'schellabstauben“ oder ähnlichen Veranstaltungen. In Aulendorf beginnen wir 3 Wochen vor dem Fasnetssamstag mit dem „Häsrichten“, bei dem die Besucher zuerst vom Maskenmeister an den „Verbannungsort der Aulendorfer Masken“ geführt werden und sich anschließend an örtlichen Begebenheiten des vergangenen Jahres erfreuen können.

Der Mittwoch vor dem „Gumpigen“ bringt um 19.00 Uhr ein im oberschwäbischen einmaliges Spiel, die Maskenbeschwörung. Bei großem Feuer vor dem farbig angestrahlten Schloss werden die fünf Aulendorfer Masken auf Geheiß des Burggrafen wieder von ihrem Bann erlöst.  Anschließend zieht die ganze Narrenschar zum Schloss, um vom Schultes die Amts- und Schlüsselgewalt einzufordern, der diese mit dem Stadtschlüssel symbolisch an den Hofnarren übergibt. Jetzt ist ganz Aulendorf fest in Narrenhand.

Am „Gumpigen werden am Vormittag die Schüler von vielerlei Clowns und Eckhexen befreit und anschließend auf dem Schlossplatz der Narrenbaum gestellt! Nachmittags ist „Kindernarrensprung“ der sich zum Stelldichein der ungezählten Ulkgruppen entwickelt hat.

Aulendorfer Hausfasnet in Reinkultur! Freitag und Samstag machen die Aulendorfer Maskenträger Besuche bei befreundeten Narrenzünften.

Der Sonntag beginnt traditionell mit der Narrenmesse in der kath. Pfarrkirche. Ihr folgt der Zunftmeisterempfang und um 14.00 Uhr der große Narrensprung mit Gastzünften.

Der Montag und Dienstag wird wieder zu Besuchen genutzt, aber Punkt 18.00 Uhr am Dienstag kommt die Ortsfasnet mit dem Hemdglonkerumzugwieder zu ihrem Recht. Rund 200 weißgekleidete Narren ziehen weinend und wehklagend mit Fackeln durch die Stadt zum Schlossplatz, wo erst die Fasnet in Gestalt  einer Hexenpuppe verbrannt und dann der Narrenbaum gefällt wird.

Anschließend, beim Kehraus, geht es dann in der Stadthalle mit Musik und Tanz nochmals so richtig rund, bevor um Mitternacht die Amts- und Schlüsselgewalt an den Schultes zurückgegeben wird und der Maskenmeister die fünf Aulendorfer Masken bis zur nächsten Fasnet verbannt. Ein Trost: "s´goht d´rgega" - die nächste Fasnet kommt bestimmt!

 

 
 
 
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