Wer heute nach Aulendorf zieht oder sich als Gast
aufhält ist erstaunt über das große Dienstleistungsangebot
der Kleinstadt mit knapp 10.000 Einwohnern. Umso erstaunter ist
er beim Erkunden der Stadtgeschichte der letzten 100 Jahre. Das
Bürgermuseum stellt die Geschichte dieser rasanten Entwicklung dar. Aulendorf darf sich
erst seit 1950 "Stadt" nennen.
In seiner Tradition hatte Aulendorf immer Superlative: Der Ort
hatte über Jahrhunderte eine imposante Schlossanlage, erhielt
Ende des 19. Jahrhunderts einen Bahnhof und Gleisanlagen wie für
eine Großstadt, baute im letzten Jahrhundert Klinikgebäude
und Gesundheitseinrichtungen, die stadtbildprägend sind.
Gerade diese Superlative brachten Aulendorf in seiner Infrastruktur
überdurchschnittlich voran, von denen die Einwohner gerne
profitieren.
Die vor 15 Jahren eingeleitete Stadtsanierung führte zu
einer spürbaren Verbesserung des Zentrums. Das Schloss ist
wieder Zentrum der Stadt. Neben der Erhaltung denkmalgeschützter
Bausubstanz wurden moderne Akzente im Stadtbild gesetzt. Die Innenstadt
ist belebt durch viele attraktive Einzelhandelsgeschäfte,
Dienstleister und Gaststätten, Bistros und Cafes. Einladend
zum Radfahren und Wandern sind auch die Ausflugslokale und Landgasthöfe
in der näheren Umgebung.
Die bauliche Weiterentwicklung findet statt in den Baugebieten
"Mahlweiher", "Schützenhausstraße"und "Safranmoosstraße". Die Wohngebiete
sind dank der topographischen Lage oft mit malerischem Ausblick
ins Schussental mit Panoramablick bis zu den Alpen. Gewerbliche
Bauplätze gibt es im Gewerbe- und Industriepark Sandäcker
und Achberg. Die Stadt hofft hier neue Arbeitsplätze vor
Ort zu schaffen. Wichtig für Aulendorf sind die staatlichen
Institute: Die Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung
und Grünlandwirtschaft mit Wildforschungsstelle und das Tierärztliche
Untersuchungsamt mit Diagnostikzentrum.
Der Wohnwert ist hoch: Kindergärten, alle Schularten vor
Ort (darunter 2 Gymnasien, Berufschulen), Sport- und Freizeitanlagen,
80 Vereine, verkehrsgünstige Lage zur B 30 und 32 sowie die
Bahnanbindung mit IC-Haltepunkt und Bodensee-Oberschwaben-Bahn
mit Flughafenanbindung in Friedrichshafen.
Dank der Vereinsvielfalt ist der jährliche Veranstaltungskalender
mit einem großen Angebot an kulturellen Darbietungen gefüllt.
Die Aulendorfer Fasnet, das
Schloss- und Kinderfest und der Weihnachtsmarkt haben regionale
Bedeutung. Ergänzt wird das Angebot durch Veranstaltungen
der Gästeinformation, der Schwaben-Therme und der Volkshochschule .
Auch das religiöse Leben hat in Aulendorf Tradition. Neben
der kath. und evang. Kirchengemeinde gibt es eine neuapostolische
Kirchengemeinde. Darüber hinaus gibt es das Schönstattzentrum,
das Missionshaus St. Johann, die Dobelmühle und der Verein
Dornbusch.
Die Stadt ist bedacht, die bestehenden Strukturen zu erhalten
und auszubauen. Mit dem "Wirtschaftsförderungskonzept"
sollen die Schwerpunkte Wohnen, Gesundheit/Freizeit, Dienstleistung/Einzelhandel,
Gewerbe und Schulstandort für das neue Jahrhundert zum Wohle
der Bürger ausgerichtet werden. Verwaltung, Gemeinderat und
eingerichtete Arbeitsgruppen bemühen sich die Weichenstellungen
für die kommenden Jahrzehnte richtig zu setzen.
Schlepperfabrik Hermann Lanz/Aulendorf - HELA -
1888 gründete der Schlossermeister Hermann Lanz in Aulendorf
eine kleine Werkstatt. Sein 1890 geborener Sohn Hermann erlernte
beim Vater ebenfalls das Schlosserhandwerk. Er verbrachte Wanderjahre
in der Schweiz, in Italien und in Paris, bereits mit 23 Jahren
war er Meister, Note "Sehr gut"!
1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. übernahm
er die väterliche Werkstatt. In einem 50 Jahre später
erschienenen Bericht zum Firmenjubiläum lesen wir: "Da ein
richtiger schwäbischer Schlossermeister ein Grübler
und Sinnierer und ein Erfinder sein muss, weil es ihn unwiderstehlich
drängt, neue und bessere Wege zu gehen. So stand der junge
Schlossermeister manche Stunde am Fenster oder gar auf den Feldern,
die dicht an sein Haus heranreichten. Er schaute den Bauern bei
ihrer schweren, zeitraubenden Arbeit zu, überlegend und grübelnd.
wie diese Arbeit leichter und schneller zu leisten wäre".
1919 begann Hermann Lanz, allerlei Geräte und Maschinen
zu produzieren, die er zum Teil selbst entwickelt oder verbessert
hatte: Eggen, Wiesenwalzen, Schleifmaschinen, Mostereigeräte
usw.
Schon 1922 konstruierte und produzierte er den ersten Motormäher,
im gleichen Jahr erbaute er sozusagen "auf der grünen Wiese"
mitten in Aulendorf seine erste Fabrikhalle. Der Schritt von der
Schlosserwerkstatt zum Produktionsbetrieb war getan. Ein Meilenstein
für das Unternehmen war 1929 der Bau des ersten Dieselschleppers
"Samson", Ergebnis jahrelanger Versuche und Entwicklungen.
Viele Jahre später. 1964 anlässlich des 50-jährigen
Firmenjubiläums. verlieh das "Institut für Schlepperforschung"
im Rückblick auf die Entwicklung in Aulendorf dem Firmengründer
Hermann Lanz den Ehrentitel "Pionier des deutschen Schlepperbaus".
Ab 1930 wurde jährlich ein neues Schleppermodell angeboten.
1938 trat Sohn Anton Lanz als Diplom-Ingenieur und Konstrukteur
in die elterliche Firma ein. Er entwickelte eine Motorenreihe,
die jahrelang produziert und für viele Zwecke eingesetzt
wurde.
1939, wenige Monate nach Kriegsausbruch, stellten Lanz Senior
und Junior die Fabrik völlig auf reine Schlepperproduktion
um.
Ab 1941 wurde ein durch Holzgas betriebener Schlepper produziert.
Die intakte, moderne, hochleistungsfähige Fabrik wurde
1945 von der französischen Besatzungsmacht völlig demontiert,
ein Schlag, von dem sich die Firma nie mehr ganz erholen konnte.
Dennoch bemühte man sich in den Folgejahren langsam, aber
mit schwäbischem lmprovisationstalent, fast ohne Mittel die
Produktion wieder in Gang zu bringen.
Erst nach der Währungsreform Mitte 1948 begann sich die
Lage wieder etwas zu normalisieren.
Ab 1950 wurde wieder in Serie produziert und bis auf 16 Schlepper
pro Tag gesteigert.
Ab 1952 wurde das Programm durch den Kleindieselschlepper "Varimont"
erweitert,
ab 1955 wurden Dieselmotoren mit 1, 2 und 3 Zylindern für
den Eigenbedarf und für Wasserfahrzeuge produziert. So entstand
Zug um Zug ein reichhaltiges Programm, das vorwiegend für
kleinere und mittlere Betriebe gedacht war.
Die Belegschaft, die 1950 noch 50 Mitarbeiter umfasste, wuchs
in den 60er Jahren auf 580 Mitarbeiter an. Lanz war der größte
Arbeitgeber Aulendorfs geworden, zu dem täglich auch viele
Pendler aus der Umgebung einströmten. Insgesamt verließen
die Aulendorfer Fabrik unter den Marken "Lanz/Aulendorf"
und "HELA" 30.000 Schlepper.
Die Veränderungen auf dem europäischen Markt brachten
es mit sich, dass immer mehr kleine und mittlere landwirtschaftliche
Betriebe aufgeben mussten. Entsprechend reduzierte sich auch laufend
der Bedarf an Schleppern bei gleichzeitiger Konzentration auf
Großbetriebe. Es schien deshalb naheliegend, dass sich die
Firma Lanz dem größten Baumaschinenkonzern der Welt
anschloss, der solch bedeutende Hersteller wie Zettelmeyer und
Hanomag umfasste. Dieses Riesenunternehmen mit über 13.000
Arbeitsplätzen und 2.5 Milliarden Umsatz brach jedoch unerwartet
1983 zusammen.
Die Firma Lanz - Aulendorf wurde als Teil der Konkursmasse verschleudert.
Tragisches Ende eines so hoffnungsvoll, tatkräftig und vielversprechend
gewachsenen Unternehmens. Die außerordentliche Leistung
des Firmengründers Hermann Lanz, seines Sohnes Anton Lanz
und der Belegschaft verdienen größten Respekt. Der
Name Aulendorf hat heute noch durch die Produkte dieser Firma
einen guten Klang.
Weitere Informationen zum Thema Lanz erhalten sie unter
www.hela-aulendorf.de
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